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22.6.2017 18:29

Technik und Infos

Schwerhörigkeit, die unsichtbare Behinderung

Kommentar eines Betroffenen:                                      "Es ist Schwerstarbeit, wissen Sie, als Hörgeschädigter, mit jemandem zu reden. Ich versuche dauernd zu verstehen, was Sie sagen; man kann sich mit jemand einfach nicht entspannt unterhalten, wenn man auf der Stuhlkante sitzt, lauert, horcht und dauernd denkt: 'Habe ich das richtig verstanden?' oder sagt: 'Tschuldigung, was haben Sie gesagt ?' das ist alles reine Schinderei, am Ende denkt man, 'Oh verflucht, ich möchte allein sein und wieder zu Atem kommen'".                                                                                                                                     (Jones - entnommen aus "Schwerhörigkeit - Behinderte Kommunikation" - Bundesjugend im Deutschen Schwerhörigenbund e.V.)

Die folgenden Texte wurden unter anderem aus der Broschüre "Schwerhörigkeit - behinderte Kommunikation" entnommen.
Weitere Informationen finden Sie auch unter www.schwerhoerigen-netz.de , www.bundesjugend.de

Ursachen der Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit wird durch verschiedene Ursachen in der heutigen Zeit hervorgerufen.

Lärm ist die Hauptursache. Wir sind in der modernen Gesellschaft umgeben von unzähligen Geräuschen, vom tropfenden Wasserhahn bis hin zum Straßenlärm. Vom Vogelgezwitscher bis hin zur Orchestermusik. Von der Disco bis zur Kneipe. Die Arbeit im Großraumbüro ist ebenso geräuschvoll wie die Arbeit am Fließband. Auch zuhause sind wir umgeben von lauten Geräuschen: Hundegebell, Kindergeschrei, Staubsauger, Waschmaschine, etc.
Die Ohren arbeiten Tag und Nacht!

Das Gehör nutzt sich so im Laufe des Lebens ab, bei dem einen schneller, bei dem anderen später. Im hohen Alter ist bereits jeder zweite schwerhörig!

Folgende Kinderkrankheiten können bei jungen Menschen auch für die Schwerhörigkeit verantwortlich sein: Scharlach, Masern, Mumps/Ziegenpeter, Diphtherie, Meningitis (Hirnhautentzündung). Allerdings verlaufen die meisten Kinderkrankheiten glimpflich ab. Die Meningitis kann auch durch Zeckenbisse ausgelöst werden!

Krankheiten während der Schwangerschaft können beim Neugeborenen ebenfalls das Gehör geschädigt haben, vor allem die Röteln! Andere Krankheiten lösen eher eine Frühgeburt aus, was sich ebenfalls schlecht auf die Gehörentwicklung auswirken kann. Auch zeitweiliger Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft oder bei der Geburt kann eine Hörschädigung verursachen.

Seit 2009 gibt es bundesweit das Neugeborenen-Hörscreening, welches innerhalb der ersten Tage nach der Geburt durchgeführt wird. Die Früherkennung hilft, mit geeigneten Maßnahmen einen Hörschaden frühzeitig zu minimieren und so eine möglichst umfassende Hör- und Sprachentwicklung für das Kind zu ermöglichen.

Ursache für eine Schwerhörigkeit kann auch eine sogenannte toxische Schädigung sein. Diese kommt zustande durch erhöhte Giftwerte im Blut, die sich schädigend auf das Innenohr auswirken.

Zu den klassischen Giften gehören Alkohol, Tabak, Drogen. Aber auch bestimmte Medikamente wie Antibiotika, Diuretika , Chemotherapeutika können schädigen! Selbst Mittel gegen Erkältungen und Kopfschmerzen enthalten ohrschädigende Substanzen. Auch Lösungsmittel, Schwermetallverbindungen etc. sind toxisch. Ein erhöhter Gehalt an Kohlenmonoxid im Blut durch Sauerstoffmangel hat ebenfalls eine toxische Auswirkung.

Ein weiterer Faktor ist der Hörsturz, der sogenannte Infarkt des Innenohrs. Dieser entsteht vermutlich durch Stress, seelische Probleme u.a. Auch Kinder können davon betroffen sein. In dieser Zeit hört der Betroffene nichts oder sehr schlecht. Ein Hörsturz muss sofort klinisch behandelt werden!

Arten der Schwerhörigkeit

Die Art der Schwerhörigkeit wird vor allem durch zwei Faktoren unterschieden: Wird der Schall nur schlecht weitergeleitet oder auch schlecht empfunden?
 
Im Außen- und Mittelohr wird der Schall zunächst von außen nach innen transportiert. Im Innenohr wird der Schall an den Hörnerv und damit an das Gehirn weitergeleitet. Hier wird schließlich das Gehörte verarbeitet und interpretiert, zugeordnet.
 
Bei der Schalleitungsschwerhörigkeit liegt die Störung im mittleren oder äußeren Ohr vor. Die Schallsignale werden nur leiser gehört. Die Qualität des Gehörten wird dabei kaum beeinträchtigt.
 
Hier können technische Hilfen (Hörgeräte) oder Operationen Erfolg haben. Es handelt sich hierbei um eine leichte bis mittlere Form von Schwerhörigkeit.
 
Bei der Schallempfindungsschwerhörigkeit liegt die Störung im Bereich des Innenohrs, des Hörnervs oder in den Hirnzellen, die nicht oder nur zum Teil ausgeglichen werden kann. Generell kommen hier Hörgeräte als Hilfsmittel zum Einsatz. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bei dieser Schwerhörigkeit auch ein Cochlear Implantat eine Hilfe sein.
 
Ferner gibt es die Mischform beider Schwerhörigkeiten, die sogenannte kombinierte Schwerhörigkeit.
 
Es ist eine weitere Form von Hörbehinderung bekannt, die sich zentrale Fehlhörigkeit nennt. Sie wird folgendermaßen definiert:
"Kann ein Mensch Töne, Klänge und Laute wahrnehmen, sie aber nicht in sinnvolle Informationen umsetzen, dann ist die zentrale Hirnverarbeitung nicht intakt - es liegt eine Fehlhörigkeit vor."